Februar

Kunst trotz(t) Demenz

Die Ausstellung „Kunst trotz(t) Demenz“ war bis zum 27. Februar 2011 im Künstlerhaus Schloß Balmoral zu Gast. Sie zeigte von bekannten Fotografen angefertigte Portraits demenziell erkrankter Menschen, Werke von Künstlern, die sich mit dem Verlust geistiger Fähigkeiten auseinandersetzen, sowie künstlerische Arbeiten von Demenzkranken.

Die vielfältige Ausstellung beinhaltete ebenso eine spannende Fotoarbeit der ehemaligen Stipendiatin Andrea Esswein wie eine Audioarbeit von Joseph Beuys. Darüber hinaus waren unter anderem beeindruckende Fotografien von Ralf Braum, Michael Hagedorn, Elisabeth Heinemann, die ein lebensbejahendes Bild der an Demenz Erkrankten zeigen, und Candida Höfer zu sehen.

Zu der von Andreas Pitz kuratierten und für das Künstlerhaus Schloß Balmoral von Dr. Danièle Perrier ko-kuratierten Wanderausstellung konnten für das Künstlerhaus zusätzlich Fotografien von Peter Granser, der in den Portraits und Beobachtungen mit großer Einfühlsamkeit und Respekt den Verlust der geistigen Fähigkeiten darstellt, eine Installation der ehemaligen Stipendiatin Cornelia Rößler. sowie die außerordentlichen Kunstwerke des noch wenig bekannten Anton Dobay gewonnen werden. Dobays Werken ist, wie auch denjenigen von Herbert Zangs, ein eigener Raum gewidment. Einen Kontrapunkt stellten die beiden Werke von Louise Bourgeois dar, die im Bewusstsein der schwindenden Lebenskräfte noch einmal das Leben besingt.

Die Ausstellung wurde in Kooperation mit der Stiftung Diakonie in Hessen und Nassau, dem Diakonischen Werk Rhein-Lahn und den Demenz-Netzwerken im Rhein-Lahn-Kreis präsentiert. Nach verschiedenen Stationen in Kirchenräumen, beispielsweise in Soest, Bad Kreuznach und Oppenheim, machte die Wanderausstellung „Kunst trotz(t) Demenz“ in Bad Ems erstmals in einem der Kunst gewidmeten Haus Station.

Die Ausstellung stand unter der Schirmherrschaft der Staatsministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen, Malu Dreyer.

Hier finden Sie eine Auswahl der Werke, die in der Ausstellung präsentiert wurden.

Kunst trotz(t) Demenz

Die Ausstellung Kunst trotz(t) Demenz wurde vom Stiftungsfond „DiaDem“ der Stiftung Diakonie in Hessen und Nassau in Auftrag gegeben. Der Kurator der Ausstellung, Andreas Pitz, stellte eine Ausstellung zusammen, die den Menschen, die mit Demenzkranken zusammenleben oder solche pflegen, Hoffnung geben möchte. In den Kunstwerken wird die Würde der erkrankten Menschen sichtbar und es zeigt sich, dass Menschen, die an einer Demenz leiden, trotz allem Lebensfreude haben können und in manchen Fällen auch kreative Potentiale entwickeln können.

Die Ausstellung ist in drei Teile gegliedert. Sie zeigt:
- Demenzkranke Menschen, portraitiert von bekannten Fotografen
- Werke von Künstlern, die sich mit dem Verlust geistiger Fähigkeiten auseinandersetzen
- Arbeiten von Demenzkranken

Die Wanderausstellung wurde im September 2009 im neuen Hessischen Landtag in Wiesbaden eröffnet. Nach verschiedenen Stationen in Kirchenräumen, u. a. in Soest, Bad Kreuznach und Oppenheim, wird in Bad Ems die Ausstellung erstmals in einem der Kunst gewidmeten Haus, dem Künstlerhaus Schloß Balmoral, Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur, zu sehen sein. Diese Ausstellung wird in Kooperation mit der Stiftung Diakonie in Hessen und Nassau, dem Diakonischen Werk Rhein-Lahn und den Demenz-Netzwerken im Rhein-Lahn Kreis präsentiert.

Die Werkauswahl weicht von denen der anderen Ausstellungsorte ab: So konnten für das Künstlerhaus Schloß Balmoral außerordentliche Kunstwerke von Louise Bourgeois, Anton Dobay, Peter Granser und Cornelia Rößler, sowie ein Dokumentarfilm über Willem de Kooning hinzu gewonnen werden.


Neben beeindruckenden Fotodokumentationen z. B. von Peter Granser, der in den Portraits und Beobachtungen mit großer Einfühlsamkeit und Respekt den Verlust der geistigen Fähigkeiten darstellt, Michael Hagedorn, Elisabeth Heinemann, die ein lebensbejahendes Bild der an Demenz Erkrankten zeigt, und Ralf Braum, der den Auslöser der geistig Alzheimerpatienten selbst in die Hand drückte und erstaunliche Resultate erhielt, werden Kunstwerke von Felix Droese und Karin Hoerler gezeigt, die vertretend für jene Künstler stehen, die erkrankte Familienmitglieder umsorgten. Werke des Malers Christian Ulrich, der auch als Krankenpfleger arbeitet und berührende Portraits der ihm anvertrauten Menschen aufs Papier fixiert, sind ebenfalls in die Ausstellung integriert. Auch Werke von Künstlern, die sich nicht gezielt mit dem Thema Demenz befassen, sich aber mit Vergessen und Unentschiedenheit auseinandersetzen, sind zu sehen, wie beispielsweise diejenigen von Joseph Beuys und Candida Höfer. Zwei ehemalige Stipendiatinnen befassen sich ebenfalls intensiv mit der Thematik: Andrea Esswein und Cornelia Rößler.

Während Jörg Immendorf seinen Unmut über die schwindende Kraft ausdrückt, versucht Louise Bourgeois noch drei Tage vor ihrem Tod, Zeichen zu setzen. Eine Scharnierstellung in der Ausstellung nimmt Herbert Zangs ein: Ihm ist ein ganzes Zimmer gewidmet. Seine Verweißungen, mit denen er zur Zeit von Zero Berühmtheit erlangte, werden zusammen mit seinen Rollstuhlbildern und Zeichnungen der Spätzeit gezeigt, als er mit dem Vergessen rang und die Zeichnung sich immer stärker auflöst. Sein Schicksal kann mit dem seines berühmten Kollegen Willem de Kooning verglichen werden, der trotz Alzheimer-Erkrankung ein eigenständiges Alterswerk produzierte. Wir freuen uns, einen Dokumentarfilm, den der SWR am 9. April 1984 ausstrahlte, zeigen zu können.

Ebenso interessant sind die Werke von Anton Dobay, der nach einem Schlaganfall anfing zu malen und dessen Stil sich durch die Demenz vollkommen änderte, ohne jedoch den Sinn für Duktus und Rhythmus zu verlieren. Auch hier sind wir in der Lage, Zeichnungen beider Stilperioden zu zeigen.

Zu guter Letzt werden Werke von demenzkranken Menschen gezeigt, für die Zeichnen und Malen ein wesentlicher Bestandteil der Lebensenergie bedeutete. Hier sei vertretend Ida Rodenacker, die Mutter der Künstlerin Irmel Droese, genannt, die unter der fürsorglichen Anleitung ihrer Tochter Tag für Tag Blumensträuße malte und ein Beispiel für den Kampf gegen das Vergessen liefert.

Darüber hinaus zeigt die Ausstellung Werke von Madeleine Dietz, Johannes und Liesel Metten, Inkritt Störkel, Claudia Thoelen, Günther Uecker, Michael Uhlmann, Christian Ulrich, Cornel Wachter und Eberhard Warns.

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft der Staatsministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen, Malu Dreyer. Gisela Bertram, Erste Kreisbeigeordnete des Rhein-Lahn-Kreises, übernahm an der Vernissage am 11. Februar 2011 die Begrüßung.

Die Ausstellung ist vom 12. bis 27. Februar 2011 Mo - Sa von 14 bis 18 Uhr und So von 11 – 17 Uhr zu sehen.
Der Eintritt ist frei!


Als Begleitprogramm werden im Künstlerhaus Schloß Balmoral folgende Veranstaltungen angeboten:


Mittwoch, 16. Februar 2011, 19.30 Uhr
Vortrag
Leben mit Demenz: vorbeugen, diagnostizieren, behandeln.
PD Dr. med. Andreas Fellgiebel, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

PD Dr. med. Andreas Fellgiebel erhielt im Jahr 2004 für die Etablierung einer verhaltenstherapeutisch orientierten Gruppentherapie für Patienten mit leichter Demenz und deren Angehörige den Innovationspreis „sozial aktiv“ des Sozialministeriums Rheinland-Pfalz. Zwei Jahre später war er Empfänger des Steinberg-Krupp Alzheimer Preises der Hirnliga e.V. Gewürdigt wurden seine wissenschaftlichen Arbeiten zur Bildgebung bei Alzheimer-Demenz-Patienten.
In seinen wissenschaftlichen Publikationen hat sich Fellgiebel mit diversen Aspekten des Krankheitsbildes Demenz auseinander gesetzt. So beleuchtete er die kausale Therapie, also das Finden der Ursachen der Krankheit ebenso wie die Gruppentherapie als Behandlungsform einer beginnenden dementiellen Erkrankung. Wie schwer für Außenstehende häufig die Nachvollziehbarkeit dieser Krankheit ist, bzw. auf wie wenig Empathie die Patienten in ihrer „gesunden Umwelt“ treffen, zeigt das Zitat „Der kann ja nicht einmal sein Auto richtig einparken“, mit welchem er einen Gemeinschaftsaufsatz zu Demenz als Diagnose in der Psychotherapie überschrieb. In seinen Artikeln fragt er, wie sich Alzheimer-Demenz am besten voraussagen lässt, ob die zunehmende Vergesslichkeit altersbedingt ist und ob Einsamkeit das Risiko erhöht.


Sonntag, 20. Februar 2011, 16.00 Uhr
Musik und Lesungen
Lieder und Texte unter dem Motto Erinnern und Vergessen

Volkslieder und Stücke von J. S. Bach, W. A. Mozart und anderen Komponisten
Manuela Kühnau, Sopran (Nassau)
Ingo Thrun, Dekanatskantor im evangelischen Dekanat Nassau, Klavier (Bad Ems)
Moderation und Auswahl der Texte: Stefan Hauser, Pflegestützpunkt Bad Ems


Mittwoch, 23. Februar 2011, 19.30 Uhr
Künstlergespräch

Über das Vergessen
Andrea Esswein, Cornelia Rößler

Die beiden in der Ausstellung vertretenen ehemaligen Stipendiatinnen Andrea Esswein und Cornelia Rößler treffen zu einem Künstlergespräch aufeinander.


Sonntag, 27. Februar 2011, 15.00 Uhr
Führung
Andreas Pitz, Kurator der Ausstellung, und Dr. Danièle Perrier, Künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin des Künstlerhaus Schloß Balmoral, durch die Ausstellung.


Parallel zur der vom Künstlerhaus Schloß Balmoral ko-kuratierten Ausstellung werden im gleichen Zeitraum Werke der Wanderausstellung in der evangelischen Johanneskirche in Nassau zu sehen sein, wo auch weitere Veranstaltungen angeboten werden.


Änderungen vorbehalten


Im Folgenden können Sie eine Auswahl der in der Ausstellung präsentierten Werke anschauen, besuchen Sie außerdem die zur Wanderausstellung Kunst trotz(t) Demenz entstandene Homepage.

Anton Dobay: Überzeichnung (Rudolf Limberger) (1979) Bleistift, 40 x 30cm

Andrea Esswein: Fräulein Schmid (2007) Farbfotografie, 60 x 80 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2011

Peter Granser: Observation 15 (2001) C-Print auf Alu-Dibond, 50 x 50 cm

Michael Hagedorn: (2008) Farbfotografie auf Diasec, 120 x 80 cm

Elisabeth Heinemann: Später Besuch (2008) Schwarzweißfotografie, 40 x 60 cm

Candida Höfer: BMPS (2007) C-Print, 24 x 25,3 cm auf 40 x 41,3 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2011

Jörg Immendorff: Gebt mir mein Gesicht wieder (2005) Siebdruck, 70 x 100 cm

Cornelia Rößler: Erinnerung (2006) Leuchtkästen, 4-teilig, 19,5 x 14 x 8 cm Foto: Gottfried Schumacher


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