carte blanche Gerhard Moritzen an Christoph Mügge

Ausstellungseröffnung

Dienstag, 15. Mai 2012, 18.30 Uhr
carte blanche Gerhard Moritzen an Christoph Mügge
Wo gehobelt wird, fallen Späne
Laden N° 5, Römerstraße 5, 56130 Bad Ems
Die Ausstellung ist bis zum 17. Juni 2012 durchgehend zu sehen.

Nach einer Begrüßung durch Dr. Danièle Perrier, wird der Bildhauer Gerhard Moritzen, eine Einführung zum Künstler Christoph Mügge geben.
Eröffnungsrede von Gerhard Moritzen

Gerhard Moritzen:
"Christoph Mügge ist einer von den jungen Künstlern, die eigenwillig ihren Weg gehen. Trends scheinen ihm unwichtig, sein Handeln folgt einer inneren Notwendigkeit. Er sucht den Widerstand und findet ihn, aus der Malerei kommend, in der Skulptur."


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Christoph Mügge: "Rotes Büffet" 2012, Installationsansicht Laden No 5


Die zweite carte blanche 2012 erhält der Bildhauer Gerhard Moritzen. Er leitet die Holzbildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf und stellt den deutsch-schwedischen Künstler Christoph Mügge vor, der seit 2006 in Düsseldorf studiert. Mügge wurde zum Meisterschüler von Reinhold Braun ernannt und ist seit 2011 in der Klasse von Professor Richard Deacon. Er beschäftigt sich seit fast einem Jahr intensiv mit Holzbildhauerei und der Frage nach der Beziehung von Sockel und Werk. Insbesondere setzt er sich mit der altertümlichen Technik des Schnitzens in Relation zu aktuellen Inhalten auseinander. Alltagsgegenstände wie Baustellenmaschinen dienen oft als inspirativer Ausgangspunkt. Diese werden dann in seine eigenwillige Formensprache übersetzt. Dabei wird der spezifische Charakter der ursprünglichen Objekte eingefangen und in verzerrten aber auch ästhetisierten Darstellungen, meistens als frei stehende, monumentale Skulpturen, umgesetzt. Oft wendet Mügge experimentelle Arbeitsmethoden an und kombiniert den natürlichen Werkstoff Holz mit künstlichen, sogar giftigen Materialien. In Verbindung mit einer Vielzahl von anderen Elementen entstehen raumbezogene Installationen. In der Ausstellung verwachsen scheinbar zusammenhangslose Bestandteile zu einem durchkomponierten Gesamtbild, was Mügges Faszination für eine zunehmend komplexer werdende Welt reflektiert.


Christoph Mügge zur Installation "Rotes Büffet"

Die an der Wand hängende Skulptur ARM stellt einen Industrieroboter dar, der nach Stücken vom ROTEN BÜFFET greift, einem rötlichen Gemisch von Substanzen, das viele verschiedene Lebensmittelverpackungen füllt und umgibt und allgemein für industriell verarbeitete Nahrung steht. Verschiedene Verpackungen von z.B. Fastfood, Snacks und Süßigkeiten vermischen sich mit dem Camouflage der Installation in einem ähnlichen rot, weiß und grün beflecktem Farbschema und verbinden sich zusammen zu einem unappetitlichen Ödland, das massenproduzierte und übriggebliebene Nahrung assoziiert. ROTES BÜFFET erforscht unser Verhältnis zu Nahrungsmitteln auf unterschiedlicher Weise und hat klare Referenzen zu abgepacktem Fleisch, Blut und Industrieunfällen.

Das gleichmäßige Erscheinungsbild von diesem auf dem ersten Blick schwer definierbarem Material wird ebenfalls dazu eingesetzt, um den Betrachter zum Nachdenken anzuregen, dass die gleichen Zutaten in allen möglichen Produkten versteckt sein können, etwas was dem Durchschnittskonsumenten nicht bewusst ist. Das Buch „Pig 05049“ von Christien Meindertsma, das die Vielzahl von Produkten dokumentiert, in denen Teile von einem einzigen Schwein zur Verwendung kommen,
diente hierbei als Inspiration. Der in der Installation verwendete Gips könnte Schweineknochen enthalten und viele der leeren Verpackungen haben Schwein beinhaltet in Form von Schnitzel und Hamburger, aber auch versteckt in Lakritze, Chips und Brot.

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Pressefotos zum Download

Christoph Mügge: "Rotes Büffet" 2012, Ausstellungseröffnung im Laden No 5, Foto: Katrin Vattes


Eröffnungsrede Gerhard Moritzen

Sehr geehrte Damen und Herren,

Zunächst zur Person
Christoph Mügge, Jahrgang 1983 wurde in Bonn geboren. Er hat die deutsche und die schwedische Staatsbürgerschaft und studiert seit 2006 an der Kunstakademie Düsseldorf den Studiengang Freie Kunst, zunächst in der Klasse von Reinhold Braun Malerei. Hier macht er 2011 seinen Meisterschülerabschluss und dann im Anschluss weiter Bildhauerei bei Professor Richard Deacon. Bei mir arbeitet er seit einem Jahr.
Christoph Mügge hatte bereits mehrere Gruppenausstellungen, zuletzt 2012 in Düsseldorf in einer stillgelegten Justizvollzugsanstalt, und bereits eine Einzelausstellung mit Malerei 2009 in Berlin in der Galerie Gerken. Dies ist seine zweite Einzelausstellung, hier mit Bildhauerei.

Bildhauerei
Die Bildhauerei gibt es schon seit mehr als 30 000 Jahren, sie ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis sich nonverbal auszudrücken.
Es handelt sich um eine Sprache, die von den meisten verstanden wird, die aber kaum noch jemand spricht. Sie setzt sich zusammen aus Formen ähnlich der Buchstaben der Schrift. Aus: A-U-T-O wird Auto.
Zeitbegriff – Die Vermittlung der Informationen erfolgt im Augenblick (über körperliche und geistige Präsenz)Punkt.

Das rote Büfett
Eine Holzskulptur, Gefäßformen größtenteils gefundene Gegenstände des täglichen Gebrauchs, fünf weiße Sockel, Tiefziehfolie, Kabel, Stoffstreifen, und Kleinteiligkeit, überwiegend eingefärbte Holzspäne , kleine saugnapfähnliche Hartschaum- und an Kettenglieder erinnernde Keramikformen. Die Farbigkeit ist reduziert auf, im wesentlichen Weiß und Rot.
Die am höchsten platzierte Formulierung ist die gegliederte Skulptur aus Pappelholz die raumgreifend aus der Wand ragt und das Stillleben darunter beherrscht / der Arm.
Erhaben wie etwas Besonderes wird die Maßlosigkeit zunächst in Gefäßen dann
verschüttet auf Sockeln, eingeschweißt am Boden und schließlich als Haufen in
der Ecke präsentiert.
Die kleinteilige Unruhe trifft auf strenge Ordnung in Form von architektonischer Ruhe.
Den Sockeln.
Nur die Attribute, hier die Gegenstände aus dem alltäglichen Leben, wie Keksdose, Verpackungsmaterial und insbesondere die „ Campbell’s Tomato Soup “ Dose bildet auf verschiedenen Ebenen, den sinnlichen Einstieg für einen abstrakten Vorgang.
Überfluss! Ein Bild der Verschwendung. Hier die von Lebensmitteln.

Christoph Mügge beherrscht seine Palette der Ausdrucksmöglichkeiten virtuos. Er hat den Mut zum Unschönen! Auf schockierende Art vermittelt er eindringlich sein Anliegen. Aus der räumlichen Situation entwickelt wird der sinnliche Einstieg in diesem Zusammenhang zu einem visuellen Getöse, der abstrakte Vorgang ist in der Komposition aber ein feiner Oberton.

Der Oberton ist eine Frage.
Die Frage steht im Raum.
Respekt Herrn Mügge und Ihnen Dank für ihre Aufmerksamkeit

Das Büfett ist hiermit eröffnet.


Christoph Mügge: "Rotes Büffet" 2012, Installationsansicht Laden No 5, Foto: Katrin Vattes


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