Die Stadt


Bad Ems (deutsche Version)

Bad Ems

Im romantischen Tal der Lahn, nicht weit vom Welterbe Mittelrhein, zwischen Köln und Frankfurt liegt die Kurstadt Bad Ems. Drei Dinge locken jährlich Tausende von Touristen in die Stadt:

die weltbekannten Heilquellen
die eindrucksvolle Bäderarchitektur
die reizvolle Landschaft


Bad Ems im Herbst Rolf Weber 2007

Bad Ems ist eins der ältesten Heilbäder Mitteleuropas. Kamen im Mittelalter Erzbischöfe, Ritter und Grafen, so waren es im Barock Barone und Kurfürstinnen, die an den Quellen Heilung suchten. Die „Vier Türme“ im Kurpark, die „Alte Post“ und das „Mainzer Haus“ zeugen ebenso wie das Kurhaus vom barocken Bauboom, den das Bad um 1700 erlebte.
Im 19. Jahrhundert war Bad Ems ein Weltbad. Zu Tausenden kamen Gäste aus Deutschland, Frankreich, Russland und ganz Europa. Unter den russischen Gästen seien die Schriftsteller Gogol, Turgenjew und vor allem Dostojewski genannt. „Was ist die Schweiz, was die Wartburg im Vergleich zu dieser letzten Hälfte des Weges nach Ems“ schwärmte Letzterer und fuhr fort: „Das Städtchen Ems liegt in einer tiefen Schlucht zwischen bewaldeten Hügeln. An Felsen, die malerischsten der Welt, lehnt sich das Städtchen. Es gibt Promenaden und Gärten, und alles ist reizend.“ (Dostojewski an seine Frau, 1874).
Wo die Potentaten ihrer Zeit jährlich viele Wochen verbrachten, machten sie auch Politik. In den „Vier Türmen“ unterschieb Zar Alexander II. 1876 den „Emser Erlass“, mit dem die Verbreitung von literarischem Schrifttum in ukrainischer Sprache verboten wurde. Im Kurgarten erinnert ein Gedenkstein an die berühmte „Emser Depesche“. Die Begegnung zwischen dem preußischen König Wilhelm I. und dem französischen Botschafter Benedetti am 13. Juli 1870 an dieser Stelle trug zum Ausbruch des deutsch-französischen Krieges bei. Im nächsten Jahr kehrte der König als Deutscher Kaiser zurück in sein Lieblingsbad.
Die Vergangenheit als Weltbad prägt das Gesicht der Stadt. Das im Kern barocke Kurhaus, 1711-1720 erbaut als „Fürstlich Nassau-Oranisches Badehaus“, und der 1839 eröffnete Kursaal spiegeln sich im Fluss. Im kleinen, aber prachtvollen Marmorsaal gastierten die Stars und Superstars des 19. Jahrhunderts, Clara Schumann, Franz Liszt und vor allem Jacques Offenbach. Über viele Jahre kam er an die Lahn, engagiert mit seinem Pariser Ensemble oder auch nur als Kurgast und Glücksritter. Die Spielbank ist eine der ältesten Deutschlands. Am Roulett, das heute unschuldig im Kur- und Stadtmuseum steht, haben bereits vor 200 Jahren die Menschen ihre Gulden, Rubel und Taler verspielt.
Während sich rechts der Lahn die schönen Fassaden ehemaliger Hotelbauten ziehen, etwa der „Russische Hof“ oder der streng klassizistische „Englische Hof“ (heute Malberg-Klinik), entstanden links des Flusses schmucke Villen. Eine der schönsten unter ihnen ist das heutige Künstlerhaus „Schloss Balmoral“, erbaut 1868. In ihm wohnte zum Beispiel Richard Wagner während seiner Kur 1877. Selbst die Sakralbauten spiegeln die Vergangenheit des Weltbades wider. Ein Schmuckstück ist die Russische Kirche. 1876 wurde sie in Anwesenheit von Zar Alexander II. eingeweiht.
Ganz im Westen schließlich der Kontrast zum mondänen Bad: Hier wurde eines der bedeutendsten Blei- und Silberbergwerke im Rheinland betrieben. Selbst die Industriearchitektur in dieser Badestadt ist ein Blickfang. Die ehemalige Elektrizitätszentrale des Bergwerks wirkt wie eine Kathedrale der Arbeit. Ein weiterer Kontrast, und sicher auch eine Herausforderung für Künstler, sind Anzeichen der Krise und des Verfalls, die sich an manchen der alten Bauwerke heute finden.

Museum Bad Ems
Hans-Jürgen Sarholz

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Bad Ems Blick von Balmoral auf die Russisch Orthodoxe Kirche

Zu den Besonderheiten der Stadt Bad Ems zählt auch die Firma Baukeramik Ebinger, die für den international bekannten Künstler Hundertwasser Kacheln entwickelt und produziert hat.
Besagte Firma hat in jüngster ZUeit ihre Werkstätte für Balmoral Stipendiaten geöffnet, die künstlerisch mit Keramik experimentieren möchten, sei es in Form dreidimensionaler Objekte oder als bemalte Fläche. Es werden keine Vorkenntnisse erwartet und die interessierten Künstlerinnen und Künstler werden persönlich betreut und in die Eigenschaften der Werkstoffe eingeführt. Weitere Informationen unter www.baukeramik-ebinger.de




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